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Gleichwertige Lebensverhältnisse

Bildquelle: Kohlhammer

Gleichwertige Lebensverhältnisse

Regionale Krankenhäuser sind ein zentraler Standortfaktor für die Attraktivität ländlicher Räume

Die Bundesregierung hat am 10. Juli 2019 Ergebnisse der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ vorgestellt. Das Kabinett hat zudem zwölf Maßnahmen für „starke Städte und einen attraktiven ländlichen Raum“ beschlossen.

Die Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ hatte in ihrem Bericht deutlich den Wert regionaler Gesundheitseinrichtungen betont: „Angebote der sozialen Daseinsvorsorge und Teilhabemöglichkeiten der Menschen vor Ort entscheiden über die Lebensqualität und sind für die Kommunen wichtige Standortfaktoren. Eine hohe Bedeutung haben beispielsweise Arztpraxen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen“, heißt es dort.

Angesichts der Tatsache, dass die ambulante ärztliche Versorgung in den ländlichen Regionen immer größere Lücken aufweist und die Kassenärztlichen Vereinigungen diesen negativen Trend nicht stoppen können, schlägt der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Dr. Gerald Gaß vor, die regionalen Krankenhausstandorte regelhaft zu Gesundheitszentren auszubauen. Diese könnten neben der klassischen Krankenhausbehandlung auch die ambulante ärztliche Versorgung der Bevölkerung übernehmen. Diese sektorübergreifenden regionalen Gesundheitszentren sollen mit den verbliebenen ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzten eng zusammenarbeiten, schlägt Gaß vor: „Wir müssen Schluss machen mit einer Gesundheitspolitik, die in Sektoren denkt und die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen vor Ort ignoriert.“ Die in den Krankenhäusern tätigen Mediziner könnten wesentliche Lücken in der ambulanten Versorgung füllen. Die Nutzung der Infrastruktur in den Kliniken sei wirtschaftlicher als der Aufbau von Parallelstrukturen mit teurer Medizintechnik und IT in einzelnen Arztpraxen. „Für die Patienten ist es attraktiv, solche Gesundheitszentren aufzusuchen. Dort bekommen sie eine Versorgung aus einer Hand und können auch weitere diagnostische Maßnahmen, wie zum Beispiel radiologische Untersuchungen, ohne weite Wege in Anspruch nehmen“, so Dr. Gerald Gaß.

Die Politik fordert er auf, aus dem Bericht der Kommission jetzt konsequent Umsetzungsschritte folgen zu lassen. „Die Frage, ob ein Krankenhaus auch ambulante Patienten behandeln kann, darf nicht länger von den Entscheidungen der Kassenärztlichen Vereinigungen abhängig sein. Und wir brauchen endlich wieder eine Investitionsförderung der Länder, die diesen Namen auch verdient. Eine Politik, die die Gesundheitseinrichtungen vernachlässigt, beschädigt das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse nachhaltig“, sagt Gaß.