Bildquelle: Kohlhammer
Facility Management und Logistik

Erhalt der Trinkwasserhygiene

Erweiterung des Krankenhauses „Maria Hilf“ in Daun

Viele Trinkwasseranlagen wurden ausgelegt und gebaut in Zeiten, in denen es viele Erkenntnisse der aktuellen Mikrobiologie schlichtweg noch nicht gab. Um- und Erweiterungsbauten an Trinkwasseranlagen sind heute besonders anspruchsvoll, weil sie beispielsweise weder von der Trinkwasserhydraulik her noch von der Temperaturhaltung kalkulierbar sind.

Rund 12 Mio. € werden in den kubisch modernen Erweiterungsbau des Krankenhauses „Maria Hilf“ in Daun – hier links im Bild an den Bestand anschließend – investiert. Foto: Krankenhaus Maria Hilf/Fotostudio Nieder

Im Krankenhaus „Maria Hilf“ in Daun in der Eifel mussten sich Technischer Leiter Daniel Roden, Fachplaner Jochen Denzer und Fachhandwerker Marco Häb einer solchen Aufgabe stellen. Zusätzlich erschwert wurde die über eine „gleitende Planung“ und den Zwang zu besonders wirtschaftlichem Handeln. Die Aufgabenstellung wurde mustergültig gelöst. Ein zentrales Stichwort für die jetzt umgesetzte Lösung war dabei die hydraulische Trennung von Altbestand und neuer Trinkwasseranlage. Der zweite Erfolgsbaustein: eine absolut bedarfsgerechte Auslegung. Und der dritte: Das gesamte Rohrleitungsnetz ist komplett in Edelstahl ausgeführt.

Trinkwasser in Krankenhäusern

Unter Hygienikern ist die Gesundheitsgefährdung durch kontaminiertes Trinkwasser mit Legionella pneumophila, aber auch mit Pseudomonas aeruginosa, im Warm- und Kaltwasser von Gebäudeinstallationen unstrittig. Bestätigt wird diese Einschätzung durch die Auswertung von 30 000 Wasserproben deutscher Gesundheitsbehörden, entnommen von 2003 bis 2009 in 4 400 öffentlichen Gebäuden.1) In rund 13 % der Proben wurde der technische Maßnahmenwert für Legionellen von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter (ml) überschritten, vor allem in warmem Trinkwasser (PWH). Doch auch 5 % der Proben aus kaltem Trinkwasser (PWC) zeigten Überschreitungen des technischen Maßnahmenwertes. Pseudomonas aeruginosa wurde in einer Konzentration über dem festgesetzten Maßnahmenwert in 3 % der Wasserproben nachgewiesen – in PWH und PWC gleichermaßen.

Insgesamt wertete das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn über eine Million Datensätze von Probenahmen aller Gebäudearten aus. Pseudomonas kam danach häufig auch im Trinkwasser von Krankenhäusern vor. 31,1 % der Gebäude wiesen einen Befall auf, in rund jedem fünften wurde der technische Maßnahmenwert überschritten. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Wert aller Gebäude lag bei 5,2 %.

Trinkwasseranlage im Bestand optimiert

Im Krankenhaus „Maria Hilf“ in Daun in der Eifel kannte man diese Zahlen natürlich, als der Beschluss zur Erweiterung des Stammhauses um einen dreigeschossigen Erweiterungsbau gefasst wurde. Der naheliegende Ansatz, schlichtweg an die Trinkwasseranlage im Haupthaus „anzudocken“, schied damit von Anfang an aus, so Technischer Leiter Daniel Roden. „Durch akribisches Nacharbeiten im Rahmen von Erneuerungsmaßnahmen haben wir die hygienischen Bedingungen in der Trinkwasseranlage im Bestand mittlerweile stabil und nachvollziehbar. Durch eine Erweiterung wäre dieses mühsam geschaffene Ergebnis aber wieder hinfällig.“

Was für diese stabilen hygienischen Verhältnisse im Einzelnen notwendig war, skizziert SHK-Fachhandwerker Marco Häb: „Die Rohrleitungsführung ist beispielsweise im Rahmen von Stationssanierungen komplett überarbeitet worden, inklusive thermischer Trennung der Steigestränge PWC/PWH. Außerdem wurde die Hauptverteilung in weiten Teilen erneuert, und in jedem Fall die Dimensionierung der neuen Rohrleitungen dem tatsächlichen Bedarf angepasst.“ Hinzu kamen neue Trinkwasserverteiler, sodass jetzt auch die Volumenströme und -mengen lückenlos nachvollziehbar sind. Aktualisierte und konsequenterweise nun natürlich auch fortgeschriebene Dokumentationen komplettieren schließlich den trinkwasserhygienischen Ansatz für den Bestand.

Für Neubau klare Trennung

Ausgehend von diesen Erfahrungen waren die wesentlichen Rahmenbedingungen für den benachbarten Erweiterungsbau damit gesetzt, so Fachplaner Jochen Denzer von der „PDK Planungsgesellschaft Denzer + Kiefer bR Technische Ausrüstung“ aus Illingen:

 

– auf jeden Fall eine hydraulische Trennung zum Altbau mit 400 kW Frischwasserstation für Warmwasser im Erdgeschoss des Neubaus,

 

– die bedarfsgerechte Dimensionierung der Rohrleitungen (die mit Erfahrungswerten startete und dann über die entsprechende Software feinjustiert wurde),

 

– eine thermische Trennung der Hauptverteilleitungen für Warm- und Kaltwasser,

 

– eine komplett sortenreine Installation aus Edelstahl bis zur letzten Zapfstelle sowie

 

– auf die Gebäudeautomation aufgeschaltete Temperaturfühler an allen Trinkwasserleitungen, inklusive automatischer Protokollierung zum lückenlosen Nachweis hygienegerechter Betriebstemperaturen im gesamten Rohrleitungsnetz bis zur letzten Zapfstelle.

Soweit die Theorie, als unverzichtbare Basis. Auch für Marco Häb vom ausführenden Fachhandwerksunternehmen hs Heizung & Sanitär aus Ulmen: „Bei hygienisch derart sensiblen Projekten fangen wir definitiv erst an zu installieren, wenn die Detailplanung vorliegt. Alles andere ist, nicht zuletzt in Bezug auf Haftungsfragen, viel zu risikoreich.“

Als im Grunde genommen bautypische Besonderheit gab es aber auch hier das Problem, dass trotzdem „gleitend“ weiter geplant werden musste. Erst spät stand beispielsweise fest, dass im 2. OG noch eine zusätzliche Belegpraxis eingerichtet werden soll. Die Wände dafür im Trockenbau zu stellen – das war nicht das Thema. Die Bedarfsbemessung für Trinkwasser, die Detailfestlegungen analog zum bestimmungsgemäßen Betrieb hingegen und letztlich die neuen Rohrleitungsführungen – das bedeutete einen signifikanten Eingriff in die bestehende Planung. Hier sollte sich aber der strukturell gradlinige Aufbau der gesamten Trinkwasseranlage genauso auszahlen wie die durchgängig enge Abstimmung mit dem Bauherrn, so Techniker Roden. „Als Bauherr und Betreiber stehen wir immer im Spannungsfeld zwischen hygienisch optimal anzustrebenden Lösungen und dem wirtschaftlich Machbaren. Durch den regelmäßigen Abgleich aber war es nicht nur möglich, beispielsweise den Wasseraustausch über den bestimmungsgemäßen Betrieb zu gewährleisten und damit auf die Investition in zusätzliche Spülstationen zu verzichten. Wir konnten vielmehr auch solche kurzfristig notwendigen Umplanungen ohne wesentliche Zusatzkosten, vor allem aber ohne Einbußen bei der Ausführungsqualität oder Einschränkungen im hygienegerechten Betrieb in den Griff bekommen.“

Erreicht wurde das Ziel unter anderem durch die Kombination starrer und flexibler Rohrleitungssysteme. Ursprünglich war ein starres System (Sanpress Inox) für die gesamte Trinkwasseranlage gesetzt. Das hätte aber speziell die Installationsarbeiten auf der Etage aufwendiger gestaltet. Mit dem flexiblen Rohrleitungssystem „Raxinox“ (beide Rohrleitungssysteme vom Systemanbieter Viega) hingegen war eine wirtschaftliche Aufteilung des starren Systems für Hauptverteilung und Steigestränge, die Etagenanbindungen aber von der Rolle möglich. Trotzdem bleibt die gesamte Trinkwasseranlage sortenrein in Edelstahl.

Gesundheitsamt früh eingebunden

Regelmäßiger Gesprächspartner war das Gesundheitsamt des Landkreises Vulkaneifel, das für die regelmäßige Beprobung der Trinkwasseranlage im Krankenhaus „Maria Hilf“ zuständig ist. So konnten wesentliche, hygienerelevante Grundlagen der Installation, wie die Platzierung der Probenahmeventile an der entferntesten Stelle im Rohrleitungsnetz, aber unterhalb des Waschtisches gesondert durchgeschliffen, schon frühzeitig genauso abgestimmt werden. Das Gleiche galt für installationstechnische Maßnahmen zum regelmäßigen Wasseraustausch, zum Beispiel über das Durchschleifen sämtlicher Entnahmearmaturen oder über die Platzierung von Toiletten als Hauptverbraucher am Ende von Stichleitungen.

Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang auch die ergänzenden Handlungsanweisungen für die Reinigungskräfte. Um unabhängig von der (in aller Regel fast 100-prozentigen) Auslastung der Krankenzimmer den regelmäßigen Wasseraustausch bis zur letzten Entnahmestelle zu sichern, müssen sie unter anderem alle Toiletten einmal spülen und manuell den hinreichenden Wasseraustausch in jeder einzelnen Dusche absichern.

Komplettiert wurde dieses Hygienekonzept schließlich durch eine entsprechende Inbetriebnahme. Die Dichtheitsprüfung mit Inertgas erfolgte dabei direkt nach Fertigstellung der Installationsarbeiten, die Erstbefüllung inklusive protokolliertem Spülen hingegen erst eine Woche vor offizieller Inbetriebnahme der ersten Station. Bis dahin sorgten dann entsprechend geschulte Mitarbeiter händisch für den „bestimmungsgemäßen Betrieb“, sodass die finale Beprobung fast schon erwartungsgemäß ohne Befund bzw. ohne Auffälligkeiten ausfiel. Daniel Roden: „Die exakte Planung und der Abstimmungs- und Gesprächsaufwand im Vorfeld haben sich auf jeden Fall gelohnt.“

Weitere Informationen unter www.krankenhaus-maria-hilf.de, www.viega.de, www.pdk-ta.de

Anschrift der Verfasserin

Katharina Schulte, Pressesprecherin Viega, www.viega.de