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Im Gespräch: Controlling

Mit Dr. Christian Heitmann, Partner und Leiter des Bereichs Healthcare der Managementberatung zeb, Münster

Wo steht das Krankenhaus-Controlling heute?

Das Krankenhaus-Controlling in Deutschland steht recht gut da. Wenn wir aber tief in die Ergebnisse der Fachabteilungen blicken wollen, wird es schwierig: Nach wie vor haben nur 24 % der Kliniken eine monatliche auf die Fachabteilungen bezogene Ergebnisrechnung. Auf dieser Ebene gibt es also noch zu wenig Ergebnistransparenz. Hier müssen die Krankenhäuser sich weiter professionalisieren.

Welche neuen Aufgaben stehen an?

Wir werden deutlich mehr Aufgaben im Bereich des Pflegecontrollings bekommen: Künftig werden die Häuser auch Pflegeuntergrenzen steuern können müssen. Dazu brauchen wir ein deutlich differenzierteres Pflegecontrolling, und das gibt es heute so noch gar nicht.

Apropos Pflege: Ein „Sofortprogramm“ des Bundesgesundheitsministers soll den Pflegenotstand beheben, Die Pflegekosten sollen aus dem DGR-System herausgenommen werden - was bedeutet das für das Controlling?

Die Frage wird vor allem sein: Wie wird die Pflege denn künftig finanziert, und wird sie vollständig ausfinanziert sein? Heute, im DRG-System, ist die Pflege häufig unterfinanziert. Einerseits gibt es zu wenige Pflegekräfte. Andererseits wird oft genau bei dieser Berufsgruppe zuerst gespart. In Zukunft werden die Häuser bestimmte Pflegeschlüssel einhalten müssen. Sie werden dann aber auch gegenüber den Krankenkassen die Kosten dafür einfordern – und die müssen dann auch finanziert werden.

Das Thema Personal beherrscht momentan die Diskussionen im Gesundheitswesen. Es ist auch das Schwerpunktthema der jüngsten Krankenhauscontrolling-Studie. Spielt das Personalcontrolling schon eine angemessene Rolle im Krankenhaus?

Ja, aber sehr verteilt. Das Personal hat eine zentrale Rolle in den Krankenhäusern, weil es 55-65 % der Kosten insgesamt ausmacht. Die Befragung zeigt: Das Personalcontrolling ist sehr verteilt. Es findet sowohl in der Personalabteilung statt als auch an anderer Stelle: Für die Pflege ist es oftmals sehr dezentral organisiert, bis auf die Stationen heruntergebrochen. Eine starke Unterstützung gibt es immer vom zentralen Controlling. Das Personalcontrolling selbst ist aber oft bei weitem noch nicht so professionell aufgestellt wie es eigentlich in Bezug auf einen so großen Kostenblock sein müsste.

Wie sieht es aus in Bezug auf das Berichtswesen - gibt es hier Entwicklungen?

Nein, es gibt eben keine Entwicklung – und das ist beunruhigend. Wir stellen hier eine Stagnation fest. Wir fragen seit 2001 jährlich auch nach dem aktuellen Stand des Berichtswesens: Die Ergebnisse zeigen: Es tut sich nichts. Die Erhebung vor sechs Jahren kam zu fast den gleichen Ergebnissen wie die aktuelle Befragung. Die wirklich wichtigen Berichte, wie eine fachabteilungsbezogene Ergebnisrechnung, werden nach wie vor nur in sehr wenigen Häusern erstellt.

Hat sich die Rolle des Controllings in den vergangenen Jahren verändert?

Erst mit Einführung des DRG-Systems wurde auch das Controlling in den Krankenhäusern etabliert. Vorher, im Rahmen einer Vollkostenfinanzierung, brauchte man das auch in der Tat nicht wirklich. Das Controlling hat sich seitdem wenig modernisiert. Wir erleben den Controller nach wie vor als jemanden, der Daten erhebt, Daten plausibilisiert, konsolidiert und Berichte erstellt. Wir erleben ihn viel zu wenig als Sparringspartner der Krankenhaus-Geschäftsführung, aber auch der Klinikdirektoren und Chefärzte.

Noch immer verbringt ein Krankenhaus-Controller 60 bis 70 % seiner Zeit mit Daten sammeln, Daten Sichten und Aufbereiten. Das kann nicht die Rolle des modernen Krankenhauscontrollings sein. In den letzten vier Jahren haben wir festgestellt, dass der Einsatz sogenannter Data Warehouses, also zentralen Datenstrukturen zur automatisierten Berichtserstellung, von 45 % auf 65 % gewachsen ist. Man könnte also davon ausgehen, dass die Automatisierung des Berichtswesens deutlich weiter vorangeschritten sein müsste. Das scheint aber nicht der Fall zu sein, wie die Befragung zeigt: Die Digitalisierung des Controllings schreitet voran – Diese Entwicklung kommt aber im Tätigkeitsprofil des Controllers noch nicht an.