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Logistik: 3,5 Mio. Transportkilometer in zehn Jahren eingespart

Hannoversche Krankenhäuser: 3,5 Mio. Transportkilometer in zehn Jahren eingespart  

Grüne und blaue Plakette, Dieselfahrverbot, CO2-Steuer, Feinstaub, autofreie Innenstadt: Dies sind die Schlagworte der aktuellen Diskussionen um umweltverträglichen Verkehr in den deutschen Städten. Dass man auch ohne gesetzliche Vorgaben die Umwelt durch sachliche, konzentrierte Zusammenarbeit entlasten kann, haben hannoversche Krankenhäuser bewiesen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass beim EXPO-Projekt „NetLog – das umweltfreundliche Krankenhaus“ über 300 000 Kilometer weniger Transporte und rund 40 000 Liter Dieselkraftstoff pro Jahr gespart werden.

Die aktuelle Studie der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Leibniz Universität Hannover und Steinbeis belegt die Wirksamkeit des Expo-Projekts „NetLog“ zur Krankenhausversorgung im Großraum Hannover und weist große Einsparpotenziale aus.

Seit Juni 2000 betreibt Rhenus eonova das Krankenhaus-Logistik-Zentrum für das Expo-Projekt „NetLog“. Schwerpunkt und Ziel des Projekts ist die einheitliche Versorgung aller Krankenhäuser in der Region Hannover mit Verbrauchsgütern bis zum Endverbraucher in den Stationen. Am Lindener Hafen in Hannover werden auf 5 300 Quadratmetern Lagerfläche mit über 8 000 Fachböden mehr als 6 500 verschiedene Medizinprodukte gelagert. Die Auslieferung erfolgt täglich zu fest mit den Krankenhäusern vereinbarten Zeitfenstern und zu insgesamt 28 Übergabepunkten auf den Krankenhausgeländen.

Seit Juni 2000 bündelt das Expo-Projekt „NetLog“ die Krankenhaus-Versorgung von Medikalprodukten in der Region Hannover. Ziel des Projekts ist die einheitliche Belieferung aller Krankenhäuser bis hin zum Endverbraucher in den Stationen. Beteiligt sind das Kinderkrankenhaus Auf der Bult, die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), das Klinikum Region Hannover (KRH), Das St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim und die Sophienklinik in Hannover. Im Rahmen des Projekts wurde das größte Logistik-Zentrum für Medikalprodukte in Deutschland eingerichtet, das wesentlich zu einer ökologischeren und ökonomischeren Belieferung der beteiligten Kliniken beiträgt.

Medikalprodukte wie Einmalspritzen, Verbandsmaterial, aber auch spezielle Produkte wie Prothesen machen mit einem Spektrum von mehreren Tausend Einzelartikeln einen Großteil der Warenflüsse aus, die zur Patientenversorgung in Krankenhäusern benötigt werden. Dies hat zur Folge, dass etwa die Standorte des Klinikum Region Hannover bis zu 22-mal täglich mit LKW oder Transportern beliefert werden.

Durch die Bündelung und Zentralisierung der Warenströme der Lieferanten in das zentrale Logistiklager des Logistikdienstleisters Rhenus eonova am Lindener Hafen in Hannover, die Vereinheitlichung des Produktspektrums über die beteiligten Häuser und die stationsgerechte Warenlieferung in die Krankenhäuser können Transporte in erheblichem Umfang vermieden werden.

 „Wir haben mit Hilfe von Simulationsmodellen nachgewiesen, dass NetLog Hannover die gefahrenen Transportkilometer im Jahr 2018 im Vergleich zu einer dezentralen Versorgung von den Lieferanten zu den Krankenhäusern um 48 % reduzieren konnte“, so Studienleiter Prof. Dr. Michael Breitner, Direktor am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Hannover. In Zahlen sind das über 300 000 Kilometer weniger Transporte in einem Radius von 30 Kilometern um Hannover und die Einsparung von rund 40 000 Liter Dieselkraftstoff pro Jahr. Der Reduzierungseffekt beim Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß lag 2018 bei über 50 %. „Allein in den letzten zehn Jahren sind durch NetLog die Straßen Hannovers um über 3,5 Millionen Kilometer entlastet worden“, so Dr. Thomas Beushausen, einer der Initiatoren der Studie, Vorstand der Stiftung Hannoversche Kinderheilanstalt und Ärztlicher Direktor des Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult (siehe auch „Im Gespräch“, Seite 750).

Doch auch in den Krankenhäusern hat das Projekt zu Verbesserungen geführt. „Wir konnten durch Befragungen in den beteiligten Häusern in vielen Bereichen positive Effekte durch NetLog Hannover feststellen“, erläutert Studienleiterin Prof. Dr. Vera Hummel vom Steinbeis-Transferzentrum Industrial Engineering und Prozess-Exzellenz. So ist die Anzahl der Artikel, die im Konsignationslager zentral gelagert werden, in den ersten Jahren des Projekts von 25 % auf 75 % gestiegen. Das senkt die Gesamtbestände im Netzwerk. Ebenso reduzieren sich in den beteiligten Häusern sowohl die Lagerflächen als auch die Kapitalbindungskosten, da sich die Waren bis zur Entnahme im Eigentum der Lieferanten befinden. Zwei Drittel der Häuser konnten Lagerflächen reduzieren, 89 % der Befragten attestierten dem Konzept positive Effekte auf die Bestandstransparenz und die Prozessabläufe auf den Stationen. Die Versorgungsqualität mit Medikalprodukten konnte in 56 % der beteiligten Häuser weiter gesteigert werden.